Vom Wachsen und Wachsen lassen

Pflanzen faszinieren mich. Eigentlich schon immer. Die Vielfalt in Form und Farbe vom zarten Gänseblümchen über leuchtende Lilien, stachelige Kakteen bis hin zum mächtigen Affenbrotbaum. Die Einzigartigkeit – kein Blatt ist gleich wie das andere. Und die Schönheit, die Leben an jeden noch so trostlosen Ort bringt.

Besonders fasziniert hat mich auch immer der Prozess des Wachsens.

Da ist ein kleiner Same, oder in manchen Fällen auch ein einzelnes abgeschnittenes oder abgebrochenes Blatt oder ein Stiel. Dann braucht es eine gewisse Zeit und es entsteht daraus eine komplette neue Pflanze.

Ein Wunder. Ein Geheimnis.

Natürlich müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Pflanze wachsen kann: der richtige Boden, ausreichend Wasser und Sonnenlicht. Vielleicht  benötigt die Pflanze noch zusätzliche Pflege, muss etwa von Unkraut und Schädlingen befreit und gedüngt werden. Ob, wann genau und wie die Pflanze dann wächst und gedeiht, kann nicht kontrolliert werden.

Das bleibt ein Geheimnis. Ein Wunder.

Ähnlich scheint mir ist es mit unserem Glaubensleben. Wir können möglichst gute Voraussetzungen schaffen, damit unser Glaube wächst und gedeiht. Wir können uns ein gutes Umfeld aussuchen, in welchem unser Glaube Wurzeln schlagen kann. Wir sollen die richtige geistliche Nahrung zu uns nehmen, um unseren Glauben kraftvoll und lebendig zu halten, dafür sorgen, dass er nicht austrocknet. Dinge oder Menschen, die uns und unserem Glauben nicht gut tun, müssen wir manchmal wie das Unkraut entfernen.

Wir können an vielen Orten investieren, hart an uns arbeiten, wachsam, diszipliniert und zielgerichtet durchs Leben gehen. Das ist ein wichtiger Teil, wenn wir in unserem Glauben vorwärtskommen, Gottes Wirken in unserem Leben sehen, wirklich von Gott verändert werden möchten.

Doch auch wenn wir uns ganz diesen „Gärtner:innen-Aufgaben“ hingegeben haben, können wir allein aus uns selbst heraus kein gedeihender Glaube, keine geistliche Veränderung erwirken.

Wie dies geschieht, bleibt ein Geheimnis. Ein Wunder.

Sicher ist, dass göttliches Zutun im Spiel ist. Wenn Gott Menschen berührt, geschehen wunderbare Dinge. Oft geschieht dies in einem Prozess, der Zeit braucht. Vielleicht dauert es Wochen, Monate, Jahre. Der Geist Gottes wirkt in dieser Zeit im Verborgenen. Wie bei einer Pflanze. Im Samenkorn unter der Erde geschieht etwas. Etwas wächst heran, durchbricht den Samenkern, die Erdoberfläche und wird eines Tages als zartes Pflänzchen sichtbar. Die Wahrscheinlichkeit, es zu übersehen, ist anfangs noch gross. Eines Tages aber werden das Strahlen seiner Blüten oder seine schmackhaften Früchte seine Umwelt erhellen und deren Alltag versüssen.

Wachsen ist zum einen sicher harte Arbeit, intensive Pflege, unser Bestes dazutun, um zu gedeihen. Ebenso gehört zum Wachsen der Teil des „Wachsen lassens“. Warten, erwarten, vertrauen, Gott überlassen, Gott zutrauen – dass er auf seine Art, zu seiner Zeit wirkt und wir uns irgendwann über schöne Blüten und gute Früchte freuen dürfen.

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