Herbst

Ich liebe den Sommer…
Normalerweise werde ich jedes Jahr um diese Zeit etwas wehmütig, wenn ich realisiere, dass die Tage wieder kürzer werden, die Sonne langsam ihre Kraft verliert und meine liebste Jahreszeit nun endgültig vorbei ist. Nicht selten finde ich mich dann wieder wie ich Pläne schmiede, der Kälte vielleicht mit einem Urlaub im Süden für ein paar Wochen entweichen zu können. Oder wie ich mich zumindest mit irgendeinem Projekt möglichst beschäftigt halten würde, um die unliebsame Zeit gut zu überstehen.
Bei meinen letzten Spaziergängen durch bunte Herbstwälder, über von Nebel bedeckte Felder oder durch Matsch in der Dunkelheit ist mir der Herbst dieses Jahr irgendwie anders begegnet:

Ja, jeder noch so leichte Windstoss reisst wieder ein paar Blätter von den immer kahler werdenden Bäumen. Bald wird alles Laub gewichen, nur noch Leere sein. Doch beobachte ich das einzelne bunt verfärbte Blatt, das da so langsam würdevoll zu Boden gleitet und dann friedlich ruhen bleibt, denke ich nicht an Kälte, Leere, Einsamkeit.
Es stimmt, Loslassen, Abschied nehmen, zu Ende gehen ist verbunden mit Wehmut, manchmal Trauer und Schmerzen.
Doch diese Blätter erzählen auch vom vollen Leben, in all seinen Farben. Lassen mich erkennen, wenn sie fast fröhlich tanzend und gleichzeitig andächtig durch die Luft schweben, dass Loslassen und Abschied nehmen eine einzigartige Schönheit in sich haben, natürliche und heilsame Prozesse sind. Ich sehe, wie dadurch die Sonne nun stärker durch die immer lichter werdenden Bäume scheint und sie die Farben des Lebens noch intensiver leuchten lässt.
Und während die Blätter dann nach ihrer Reise unten ankommen um mit dem Waldboden eins zu werden, wird Raum für neues Leben geschaffen. Was bleibt, sind eine eine tiefe Dankbarkeit und die feste Hoffnung auf das Neue, die mit Sicherheit jeden Winter überdauern werden.

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Ein abgeerntetes leeres Maisfeld, der Himmel von Nebel bedeckt, so dass der Wald und die nächsten Häuser weit weg erscheinen, ausser mir keine Menschenseele. Ich halte inne und lausche. Heute kein Vogelzwitschern, nicht einmal ein leises Rascheln vom Waldrand her. Einsame Stille kann manchmal trostlos bis unerträglich sein. Doch heute ist sie Frieden. Sie lehrt mein Inneres, zur Ruhe zu kommen und zu vertrauen, auch wenn der Weg im dichten Nebel nicht sichtbar ist.

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Beim nächtlichen Spaziergang stehe ich plötzlich bis über meine Knöchel – und Hund mindestens bis zum Bauch – im Matsch, den ich unachtsam und in Gedanken versunken in der Dunkelheit übersehen habe. Sofort denke ich an den zusätzlichen Aufwand, bis das nur alles wieder sauber ist.
Mühsam. Anstrengend.
Da wir nun aber eh schon schmutzig sind, kann ich grad so gut den Offroad-Weg quer durch den Wald nehmen, dann bin ich vielleicht wenigstens schneller wieder zu Hause. Auch hier wird’s etwas mühsam und schwierig, nicht über nur gerade knapp von Mondschein beleuchtete Äste und Baumstämme zu stolpern. Gleichzeitig steigt eine gewisse Abenteuerlust auf.
Fast hatte ich vergessen, wie sehr ich den Duft von nassem Waldboden, die Geräusche beim Wandern durch den Matsch und spontane Kletterpartien eigentlich mag.

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Ich fühle mich belebt, bereichert und voll Frieden, als ich zu Hause ankomme.
Das Leben ist ein Abenteuer und der Herbst in all seinen Farben ein Teil davon.

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